Kostenrechnung /Preiskalkulation- Öh?

Ich hatte euch schon vor ein paar Wochen versprochen mal einen Teil meiner Kostenrechnung hier zu veröffentlichen, um zu zeigen, was ich persönlich eigentlich an der Kieler Wolle verdiene bzw welche Fixkosten ich habe. Damit möchte ich auch Färbe- Einsteigern helfen, die -genau wie ich am Anfang- keinen blassen Dunst von Kosten- und Leistungsrechnung haben und so auch nicht wissen was für Kosten tatsächlich in die Rechnung einzubeziehen sind und somit auch oft sehr wenig verdienen oder vielleicht sogar draufzahlen. Ich mach das alles nun schon seit etwa 3,5 Jahren, seit Jahresanfang mit Umsatzsteuerpflicht, trotzdem bin ich kein Experte, ich gebe hier nur meine Erfahrungen und Wissenszugewinne wider und lerne immer Neues dazu, solltet ihr also noch Ergänzungen haben, dann lasst es mich gerne wissen :)

Desweiteren kann ich an dieser Stelle keine Preislisten einstellen und verzichte auch auf Herstellernamen, weil es nicht gern gesehen ist, wenn Einkaufspreise veröffentlicht werden. Ich halte mich dran, auch wenn ich den Sinn nicht sehe, ich denke es ist jedem klar, dass ich als Gewerbetreibende weniger zahle als ein Endverbraucher und dass die Hersteller mit der Spanne zwischen gefärbtem und ungefärbtem Garn mehr Umsatz machen, ist auch klar, sei es drum...

 

Ich beginne meine Kalkulation der Übersichtlichkeit halber mit meinem Verkaufspreis und ziehe im Folgenden alle meine Kosten ab. Let´s go.

 

Beispiel Garn X

 

Verkaufspreis inkl MwSt: 19,90 Euro

 

abzüglich:

 

Einkaufspreis ohne MwSt (die ich als Umsatzsteuerpflichtige abziehen darf): 5,53 Euro

Wasser, Farbe, Strom, Folie, Handschuhe etc (nennen wir es Hilfsmittelpauschale): 2,00 Euro

Kosten für Zahlungsmethode mindestens: 0,35 Euro

Ausfall/Bruch (darauf gehe ich noch genauer ein) ca 20% des EK: 1,40 Euro

Versandkosten (im Schnitt bestellt bei mir jeder Kunde pro Bestellung 2 Stränge Garn. mich kostet ein Paket bis 2 kg inklusive Karton etwa 4,00- 5,00 Euro, also ca.) : 2,00 Euro  

 

Summe Eigenkosten: 10,98 Euro

 

Differenz aus Verkaufspreis minus Eigenkosten:  19,90 Euro - 10,98 Euro = 8,92 Euro

 

Da ich umsatzsteuerpflicht bin, zahle ich von dieser Differenz noch 19% an das Finanzamt, das sind gerundet: 1,70 Euro

 

Somit beträgt mein Gewinn bei Garn X summasummarum: 8,92 Euro - 1,70 Euro = 7,22 Euro

 

 

7,22 Euro sind eigentlich gar nicht so wenig könnte man meinen, allerdings fehlt in dieser Kalkulation noch ein großer Posten, nämlich meine Arbeitszeit. Würde ich mir zum Beispiel den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen wollen, düfte ich für die gesamte Arbeit an einem Strang Garn X nicht länger brauchen als (Achtung Dreisatz!): 51 Minuten ((7,22 Euro x 60 Min) / 8,50 Euro).

Ich weiß nicht genau wieviele Minuten ich brauche für einen Strang, ich möchte mir meinen Stundenlohn auch gar nicht ausrechnen, aus Gründen, aber ich bin sicher, dass ich drüber komme. Zwecks Vollständigkeit hier nochmal folgende Arbeitsschritte, die es zu erledigen gilt bis der Strang mein Haus verlässt:

 

Garn fürs Färben vorbereiten

Garn färben

Garn waschen und aufhängen

Garn etikettieren

Garn fotografieren, Fotos bearbeiten

Garn in den Shop einstellen

Garn bewerben und dann hoffentlich verkaufen

Garn verpacken

Garn zur Post bringen

Buchhaltung (Rechnung schreiben, Umsatzbuchungen, Umsatzsteuervoranmeldung, blablabla)

 

Es ist ne Menge und es ist der Idealfall. Ab und zu verfärbt man sich oder es passieren Fehler wie z.B. Farbspritzer einer anderen Farbe. Meist verkauft auch nicht alles, ich hab/hatte eigentlich immer Einzelstränge am Ende liegen, die nicht gekauft werden. Wenn ich Glück hab wird er mit  Rabatt gekauft, das bedeutet natürlich Umsatzeinbußen, aber in der Regel keinen krassen Verlust oder er wird gar nicht gekauft, das bedeutet Totalausfall, ziemlich blöd, gehört aber dazu, daher der Punkt Ausfall/Bruch in der Kalkulation, wie hoch man den im Einzelfall ansetzt, ist jedem selbst überlassen, ich gehe von 20% aus, das entspricht auch den öffentlich zugänglichen Kalkulationsvorlagen.

 

Dazu kommen noch Fixkosten, die bei jedem anders sind und die man auch nicht so einfach auf einen einzelnen Strang runterrechnen kann, z.B. kostet ein Onlineshop Geld, in meinem Fall sind es knapp 200 Euro pro Jahr, vielleicht verkauft man noch auf Makerist, Ravelry, Dawanda, Etsy und Co., dann fällt jeweils noch eine Provision und/oder Angebotsgebühr an.

 

Von bezahlter Werbung sprechen wir an dieser Stelle gar nicht, ebenso wenig Modelle, die man selbst herstellt, weil man Auftragsarbeiten nicht bezahlen kann. Ich persönlich würde gerne den einen oder anderen mit einem Teil meiner Modelle beauftragen, mache es aber nicht, weil ich die Arbeitszeit desjenigen nicht bezahlen kann. Klar, manche machen es gerne und auch für nockes, aber das kann ich nicht, ich hätte ein permanentes schlechtes Gewissen, wirklich wahr, daher seht ihr auch so wenig Fertiges von/bei mir, Asche auf mein Haupt, aber ich muss die wenige Freizeit, die ich habe, manchmal auch anderweitig nutzen :D

 

Also, Fazit: Zum Reichwerden sollte man sich lieber einen anderen Job suchen. Wenn man es als Hobby betreibt, sollte man dennoch nicht vergessen, dass man seine Kosten irgendwie decken muss und dass der Aufwand zumindest ein ganz minikleines bisschen entlohnt wird, weil Fotos machen geht den meisten ja noch leicht von der Hand, aber Rechnungsprogramme für Gewerbetreibende, die übrigens auch Geld kosten, sind mit Sicherheit kein Hobby, meins jedenfalls nicht ;o)

 

An der Stelle noch ein Hinweis: Egal was ihr für Geld oder andere Vergütung macht, ob färben, stricken, bloggen und sei es noch so wenig, was dabei rumkommt, ihr müsst ein Gewerbe anmelden und ich kann euch aus Erfahrung sagen, ein Kleingewerbe ist wirklich nix, wovor man Angst haben muss, das kostet einmal zwischen 15 und 30 Euro für die Anmeldung, ihr müsst eure Ausgaben und Einnahmen auflisten, handschriftlich würde sogar reichen und das einmal jährlich zum Finanzamt schicken, das wars und wenn ihr wirklich zu wenig damit verdient, dann wird das Finanzamt euch ganz automatisch von eurer Buchhaltung erlösen, Stichwort "Liebhaberei". Das bisschen Aufwand bewahrt euch aber davor richtig Ärger zu kriegen, grade im öffentlichen Raum wie dem Internet ist das nur ne Frage der Zeit, nicht umsonst spezialisieren sich Abmahnanwälte genau auf sowas ;o)

 

So, ich hoffe das war zumindest ein wenig interessant für euch, ich freue mich wie immer in den Kommentaren von euch zu lesen, bis bald :-*

 

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